Liebe Leserinnen, liebe Leser,
unbeschreiblich heiß sind die Tage im Juli und für manchen verbieten sich in der Hitze alle Aktivitäten, die sonst in Ferientagen üblich sind. Aber eines geht doch noch: Im Schatten auf einem Liegestuhl zu liegen und ein gutes Buch zu lesen. Ein Vorschlag für diese Augenblicke ist der Erstlingsroman von Susann Pásztor, der bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist. „Ein fabelhafter Lügner“ war der Großvater der 16jährigen Erzählerin Lily, die ihre Mutter Marika zu einem Familientreffen begleitet und gleichzeitig für ein Referat über das Konzentrationslager Buchenwald recherchiert. Dabei ist es ein besonderes Familientreffen: Drei Halbgeschwister – Hannah, Marika, Gabor – und die eine Enkelin treffen sich, drei der fünf Kindern von Joschi Molnár. Die beideren anderen sind in Auschwitz umgekommen und er selbst soll – dies bleibt bis zum Ende des Buches ungeklärt – in Buchenwald gewesen sein. In Buchenwald treffen sich die vier, weil jener Joschi Molnár vor 100 Jahren geboren wurde. Der begeisterte Geschichtenerzähler hat jedem seiner Kinder eine andere Geschichte über sein Leben erzählt und so wird das Treffen anlässlich des 100. Geburtstages zur Recherche über das Leben des Vaters und zum Spiegel für das Leben der drei inzwischen erwachsenen Kinder.
Einfühlsam, mit einem unglaublichen Blick für die alltägliche Situationskomik, schildert Suzann Pásztor das Familientreffen in Weimar und dem benachbarten Buchenwald: schnelle Dialoge und skurrile Szenen aus dem Blickwinkel einer in ihren Referendar verliebten Schülerin nehmen dem Thema die Schwere, die zuerst zu vermuten wäre, und schmecken nach wie ein wunderbares Glas Sommerwein, um den heißen Tagen dieser Wochen zu widerstehen.
Viel Spaß und ein wenig Kühle beim Lesen
wünschen Sandra Wisch und das Team von bibli.com
|